KLS-Neujahrsempfang: Alte DNA erlaubt Einblicke in moderne Entzündungskrankheiten

Vortrag von Ben Krause-Kyora im Zoologischen Museum Kiel über den Einfluss der jahrtausendealten Ko-Evolution von Menschen und Krankheitserregern auf die Krankheitsgenetik der Gegenwart

Am gestrigen Donnerstag, 5. Februar, fand der diesjährige Neujahrsempfang des Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Zoologischen Museum statt. Rund 90 Gäste aus Universität und Stadtgesellschaft kamen zusammen, um interessante Fakten über die Zusammenhänge von alten Erbinformationen, Evolution und der Entstehung von Zivilisationskrankheiten in der Gegenwart zu erfahren. Professor Ben Krause-Kyora, Leiter des Labors zur Untersuchung von alter DNA (aDNA) am Institut für Klinische Molekularbiologie der CAU, gab diese Einblicke in seinem populärwissenschaftlichen Vortrag „Chronische Entzündungen heute – ein Erbe der Steinzeit?”. Darin stellte er auf kurzweilige Weise vor, wie man anhand jahrtausendealter Erbinformationen grundlegende evolutionäre Prozesse nachvollziehen kann, die die Genetik von zahlreichen, gesellschaftlich relevanten Entzündungskrankheiten mitbestimmen.

Erforschung alter DNA verbessert das Verständnis heutiger Zivilisationskrankheiten
Krause-Kyora, der seine Forschungen auch im Rahmen der kürzlich erfolgreich verlängerten Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungskrankheiten“ (PMI) und “ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten” betreibt, befasst sich primär mit der Frage, wie Einflussfaktoren wie Krankheitserreger oder die Veränderungen von Lebens- und Ernährungsgewohnheiten das menschliche Genom über lange Zeiträume geformt haben. Die Erkenntnisse, die er gemeinsam mit seinem Forschungsteam am Kieler IKMB zusammenträgt, erlauben es damit, die Ko-Evolution von Menschen und Krankheitserregern im Laufe der Menschheitsgeschichte nachzuvollziehen: Mittels aDna-Analysen konnte so beispielweise das erste Auftreten und die darauffolgenden Anpassungen von verschiedenen bakteriellen und viralen Pathogenen wie beispielsweise Pest-, Lepra- oder Pockenerregern bestimmt werden. Die damit verbundenen Rückschlüsse auf die zugrundeliegende Krankheitsgenetik tragen so zu einem besseren Verständnis der Epidemiologie von Infektionskrankheiten in Vergangenheit und Gegenwart bei.

„Ben Krause-Kyora lebt in beeindruckender Weise vor, wie die moderne transdisziplinäre Forschung mit innovativen Ansätzen und fachübergreifender Zusammenarbeit für Fortschritte in den Lebenswissenschaften sorgt – und damit zum Beispiel das Verständnis der evolutionären Ursachen von Entzündungskrankheiten verbessert und perspektivisch die Entwicklung neuer Therapieoptionen erlaubt“, betont Professor Thomas Bosch, Leiter des Forschungsschwerpunkts KLS und Gastgeber des Neujahrsempfangs.

KLS im neuen Jahr auf Kooperationen im Ostseeraum fokussiert
Der KLS-Neujahrsempfang bot zudem die Gelegenheit, neue Perspektiven in den Kieler Lebenswissenschaften für das Jahr 2026 zu betrachten: Ein wichtiges Augenmerk des Forschungsschwerpunkts liegt in den kommenden Monaten zum Beispiel auf verstärkten Kooperationen im Ostseeraum, den sogenannten KLS Baltic Alliances. Diese regionale und zugleich internationale Netzwerkarbeit soll Stück für Stück eine Schwerpunktregion für Wissenschaft und Forschung an der Ostsee schaffen und dabei die Lebenswissenschaften in den Mittelpunkt stellen. Dieses Ziel teilt KLS mit der gesamten Kieler Universität, die sich mit ihrem Alleinstellungsmerkmal einer vorbildlichen Vernetzung mit Partnerinnen und Partnern im Ostseeraum aktuell unter dem Motto „Connecting Horizons“ bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft um den Titel einer Exzellenzuniversität (ExU) bewirbt.

„Zurzeit spielen für unsere Baltic Alliances insbesondere die Universitäten in Greifswald und Kopenhagen eine wichtige Rolle, mit denen wir bereits seit Jahren intensiv und erfolgreich zusammenarbeiten. Solche Kooperationen, die neben der Forschung auch eine gemeinsame Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses umfassen, wollen wir in diesem Jahr weiter ausbauen und dabei zusätzliche Partnerinstitutionen ansprechen. Dafür sind wir auf das besondere Engagement unserer KLS-Mitglieder angewiesen, die durch exzellente Leistungen und einen hohen Grad an Transdisziplinarität diese intensive Netzwerkarbeit erst möglich machen – dafür möchte ich allen Forschenden unter dem Dach von KLS meinen besonderen Dank aussprechen“, betont Bosch.

Zur Person:
Prof. Ben Krause-Kyora vom Institut für Klinische Molekularbiologie an CAU und UKSH, Mitglied im Exzellenzcluster PMI, ist ausgebildeter Biochemiker und Archäologe, der die menschliche Entwicklung auf molekularer Ebene untersucht. In den letzten 10.000 Jahren stand die Menschheit in ständiger Wechselwirkung mit der Umwelt, war Krankheitserregern ausgesetzt und auf die Nutzung von Nahrungsquellen angewiesen, die durch Landschaft, Klima und Lebensstil geprägt waren. Sein Hauptforschungsinteresse gilt der Frage, wie Krankheitserreger und Veränderungen in der Ernährung und den Subsistenzstrategien unser Genom in den letzten Jahrtausenden geformt haben. Die zugrunde liegenden evolutionären Prozesse haben auch wichtige Auswirkungen auf die moderne Krankheitsgenetik, z. B. bei Zivilisations- und Entzündungskrankheiten. Er geht seinen Forschungsfragen mit Hilfe der Analyse alter DNA (aDNA) nach. Die Kombination von aDNA und genomischen Methoden hat das gesamte Forschungsgebiet erheblich vorangebracht und ermöglicht es uns, molekulare evolutionäre Veränderungen durch die Zeit hindurch zu verfolgen und dabei praktisch zuzusehen, wie sie geschehen.

Fotos stehen zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Prof Ben Krause-Kyora stellte in seinem Vortrag „Chronische Entzündungen heute – ein Erbe der Steinzeit?” vor, wie man anhand jahrtausendealter Erbinformationen auf die Genetik von modernen Entzündungskrankheiten schließen kann.
© Christian Urban, Uni Kiel

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Bildunterschrift: Rund 90 Gäste kamen zum diesjährigen Neujahrsempfang des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science im Zoologischen Museum zusammen.
© Christian Urban, Uni Kiel

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Bildunterschrift: KLS-Sprecher Prof. Thomas Bosch war der Gastgeber des Abends und zeigte im Rahmen der Veranstaltung neue Perspektiven in den Kieler Lebenswissenschaften für das Jahr 2026 auf.
© Christian Urban, Uni Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch
Sprecher Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science, CAU
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science, CAU:
www.kls.uni-kiel.de

Prof. Ben-Krause Kyora,
Leiter aDNA-Labor,
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU:
www.ikmb.uni-kiel.de/people/ben-krause-kyora